„Sinnvolles Wachstum braucht Qualität“

3. März - 2017
Wolfgang Krüger, Geschäftsführer der Neas Energy GmbH, über den neuen Zuschnitt des Direktvermarktungs-Portfolios von Neas, warum das für die Kunden eine gute Nachricht ist und welche Pläne Neas für die Zukunft hat.

Herr Krüger, Neas hat sein Direktvermarktungs-Portfolio verkleinert. Warum?

Wolfgang Krüger: Der Markt ist deutlich gereift, so dass die Entgelte für Direktvermarkter im Moment nur sehr geringe Margen ermöglichen. Einzelne Windparks bringen inzwischen sogar negative Ergebnisse ein. Das war absehbar und auch politisch angestrebt, wir haben unser Portfolio neu bewertet und dann auf Grundlage der Bewertung zugeschnitten.

Den Schritt sind zuletzt einige Unternehmen gegangen. Was ist da los?

Eigentlich ist es ein gutes Zeichen: Der Handelsmarkt macht das, was er machen soll: Er sorgt dafür, dass die Ungleichgewichte durch die Vermarktung von erneuerbaren Energien am Strommarkt geringer werden. Je mehr Händler dieses Geschäft gut machen, desto besser wird die Volatilität abgefedert. Das müsste aus Sicht der Händler wieder zu höheren Direktvermarktungsgebühren führen, da die Erträge sinken. Aber der herrschende Preiskampf verhindert das bisher noch.

Für Windparkbetreiber klingt das positiv.

Ja, das ist es auch. Die Anlagenbetreiber suchen sich den günstigsten Anbieter aus. Aber natürlich ist ein Wechsel mit einem hohen Aufwand verbunden: Das geht von den Vertragsverhandlungen bis zur An- und Abmeldung von Anlagen. Beide Seiten haben deswegen ein Interesse an längerfristiger Zusammenarbeit.

Was bedeutet das Branchenschlagwort „Standortqualität statt Größe“?

Dass man sich jede einzelne Anlage sehr genau anschaut und entscheidet, ob sie in das Portfolio passt. Bisher ging es vielen Anbietern darum, 5.000 oder 6.000 MW im Portfolio zu haben. Das hat sich geändert. Jetzt geht es darum, Anlagen mit gutem Marktwert zu finden, die also vom Standort, der Prognostizierbarkeit und von ihren Leistungsparametern her das eigene Stromhandelsportfolio gut ergänzen. Solche Anlagen akquirieren wir jetzt gezielt.

Hand aufs Herz: Diese Veränderung des Portfolios ist auch langfristig nicht der Beginn eines Rückzugs aus dem deutschen Markt für Neas?

Nein, ganz bestimmt nicht. Die Direktvermarktung ist auch für unser anderes Geschäft sehr wichtig, das werden wir definitiv weitermachen.

Wie sieht Ihr Portfolio jetzt aus?

Wir haben in der Direktvermarktung ein Portfolio von 2.500 MW, im Wesentlichen Windenergie. Das wollen wir wieder ausbauen.

Neas diversifiziert. Welche neuen Produkte bieten Sie an?

Die Wurzeln von Neas liegen ja in den Handelsdienstleistungen. Unser Bilanzkreismanagement für Stadtwerke beginnt mit konkreten Dienstleistungen wie beispielsweise dem Energiedatenmanagement (EDM) und der Umsetzung der MaBiS, wie sie von der Bundesnetzagentur vorgegeben wurden. Für kleine und mittlere Stadtwerke ist es meist günstiger, das von Dritten machen zu lassen. Wir bieten den Kunden auch verschiedene Marktzugänge an, etwa zum Intraday-Markt. Sie können eine von uns entwickelte Webplattform nutzen, um ihre benötigten Strommengen einzukaufen und dabei die Kauf- und Verkaufsregeln selber setzen.

Sie streben als eines der ersten Unternehmen an, als so genannter Aggregator für industrielle Kunden tätig zu werden. Was heißt das?

Die Aggregatoren werden im Markt eine neue Rolle einnehmen. Das Modell wurde von Neas und Anderen in einem Verbändeverfahren entwickelt und soll nun implementiert werden. Verkürzt gesagt, helfen wir Industriebetrieben dabei, ihre Flexibilitäten optimal zu bewirtschaften. Dafür vermarkten wir einerseits Stromverbraucher und -erzeuger an den Märkten für Reserveleistung. Andererseits können wir bestimmte stromintensive Prozesse in Zeitfenster mit günstigem Strom verschieben, wenn es technisch und finanziell sinnvoll ist. Dadurch können wir ein vorhandenes Stromkontingent teurer verkaufen, als das Unternehmen es eingekauft hat.

Seit kurzem sichern Sie sogar das Mengenrisiko bei Windkraftanlagen ab. Wie machen Sie das?

Wir nehmen dem Betreiber eine festgelegte Strommenge im Jahr ab, die wir mit ihm vereinbart haben. Das ist besonders für Eigentümer interessant, die vor allem an sicheren und konstanten Einnahmen interessiert sind, weil sie etwa einen Bankkredit bedienen wollen.

Ist Neas auch im Gasmarkt aktiv?

Wir sind in Dänemark und Deutschland schon sehr lange im Erdgashandel tätig und handeln jährlich Gas im Umfang von 83 Terawattstunden. Die Kompetenz, die wir da aufgebaut haben, wollen wir auch Stadtwerken zur Verfügung stellen. Auch hier soll möglichst viel automatisiert ablaufen. Genauso, wie wir das auch im Strom machen.

Welche Dienstleistungen können Stadtwerken hier nutzen?

Auch im Gasmarkt bieten wir Bilanzkreismanagement einschließlich der Umsetzung der GabiGas an, und wir sind dabei, zusätzlich Dienstleistungen zu entwickeln, um Stadtwerke auch bezüglich der Gasbeschaffung zu unterstützen. Das ist sehr stark auf den kurzfristigen Markt fokussiert, wo wir im hohen Maße spezialisiert sind. Wir nutzen unseren Marktzugang und bieten Wholesale-Produkte, um Stadtwerken die Bewirtschaftung mit Gas zu ermöglichen.

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Wolfgang Krüger, Managing Director

Wolfgang Krüger

Managing Directorwkr@neasenergy.com+49 2103 339 9010
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