Kurzfristhandel: Erfolg an Energiemärkten

8. Oktober - 2018
Wolfgang Krüger, Geschäftsführer der Neas Energy GmbH, und Tim Kummerfeld, Senior Asset Developer der Neas Energy GmbH, im Gespräch mit Ralph Szepanski von The Business Debate.

Kurzfristhandel: Erfolg an Energiemärkten

Mal scheint die Sonne nicht, dann weht der Wind zu stark: Die Verfügbarkeit von erneuerbaren Energien schwankt. Eine Lösung zur Integration von Erneuerbaren sind flexible Werkzeuge für den kurzfristigen Stromhandel.

Für Verbraucher ist es einfach: Stecker in die Steckdose, der Strom fließt. Für die Anbieter ist es komplizierter. Strom, besonders aus erneuerbaren Energiequellen, schwankt in der Verfügbarkeit. Bei einer Flaute stehen die Windräder still, bei bedecktem Himmel ist die Ausbeute von Photovoltaikanlagen mau. Oder es kommt anders: Dank eines windstarken Jahresendes konnte Deutschland 2017 einen starken Anstieg des Windstromanteils verzeichnen. Und der Rekordsommer sorgte dieses Jahr für deutlich mehr Solarstrom. Um die Volatilität regenerativer Energien auszugleichen, arbeiten Forscher unter anderem an neuen Speicherlösungen und intelligenten Infrastrukturen. Von der Politik wird der zügige Netzausbau gefordert, damit gravierende Engpässe ausbleiben.

Live-Daten zur Stromproduktion

Um den Erzeugungsschwankungen gerecht zu werden, hat sich auch der Handel angepasst. So bietet der kurzfristige Stromhandel, das ist der Handel von Strom kurz vor dessen physischer Lieferung, zukunftsweisende Möglichkeiten zur Systemintegration von erneuerbaren Energien. „Wird eine Stromknappheit erwartet oder zu viel Strom im Netz, dann wird das über Preissignale abgebildet. Auf diese Preissignale reagieren wir und helfen so auch den Netzen“, erläutert Wolfgang Krüger, Geschäftsführer der Neas Energy GmbH. Das europaweit tätige Unternehmen, das Teil der Centrica Gruppe ist, handelt Strom und Gas sowie sogenannte Zertifikate, die für bestimmte Erzeugungsarten ausgegeben werden. Als Händler mit einem besonderen Fokus auf dem Kurzfristhandel habe man den Anspruch, „über Marktmechanismen kostenoptimale Lösungen für die Energiewende zu finden“, sagt Wolfgang Krüger im Gespräch mit The Business Debate.

Was den kurzfristigen Stromhandel so besonders macht, erläutert Tim Kummerfeld, Senior Asset Developer bei Neas Energy: „Je dichter wir an den Zeitpunkt herankommen, für den die Lieferung des Stroms verkauft wurde, desto mehr müssen wir auf die Vorhersagen gucken und auf unsere Live-Daten von der echten Produktion. Das ist eine Fülle an Informationen, die in kurzer Zeit zusammengefasst werden muss. Entweder verkaufen wir dann mehr Strom oder kaufen etwas Strom zurück.“ Jahrelange Erfahrung, sichere Prozesse, aber auch eine ständige Optimierung und ein hoher Grad an Automatisierung seien in diesem Geschäftsfeld unverzichtbar, um teure Fehler zu vermeiden. „In Zukunft geht es zunehmend in Richtung automatisierter oder algorithmischer Handel mit Themen wie künstliche Intelligenz und Maschinenlernen“, sagt Kummerfeld.

Handel mit Erneuerbaren nimmt Fahrt auf

Während die Energieerzeugung in den nächsten Jahren noch verteilter und kleinteiliger werden dürfte – bereits jetzt gibt es mehr als 1,5 Millionen dezentrale Erzeugungsanlagen – wächst Europa in diesem Bereich im Handel zusammen: Vor kurzem wurde auf dem Handelssystem eine neue Software einführt, die es möglich macht, Strom europaweit zu handeln. „Wir können als Händler nun in Frankreich Strom kaufen und in Finnland verkaufen, von Land zu Land, ohne aktiv Leitungskapazität zu buchen“, erläutert Tim Kummerfeld. Neas Energy-Geschäftsführer Wolfgang Krüger fügt mit Blick auf die Zukunft hinzu: „Wenn man auf den Ausbau der Erneuerbaren in Europa schaut, muss man sagen, dass dieser Zug jetzt gerade erst richtig Fahrt aufgenommen hat und entsprechend erwarten wir, dass die Handelsaktivitäten weiter ausgeweitet werden.“

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